"BUCURESTI"
2010
Performance-Lecture, ca 30 min.
und/oder Video, 26 min


Performance im CIAC/ ICCA Bukarest, Mai 2010. Photo: Anne Lienhart

In Form eines performativen Vortrags erzähle ich die Stadtgeschichte von Bukarest.

Reale Beobachtungen, historische Fakten und fiktive Elemente werden zu einer bildreichen Erzählung verwoben. Die Stadt wird als Hyper-Struktur beschrieben, die zwischen dem Realen, dem Fiktiven und dem Imaginären angesiedelt ist. Der Vortrag ist ein poetisches Portrait der Stadt, ihrer Geschichte und ihrer Erinnerungen. In „BUCURESTI“ sind die Erinnerungen in Pollen gespeichert, die durch die Bienen für die Menschen aufbereitet werden. Nach der Emigration der Bienen in Zeiten des Kommunismus, einer Zeit, in der Bukarest von Flöhen beherrscht war, kämpft die Stadt heute darum, ihren Weg zurück in die Geschichte zu finden.

Die Form des wissenschaftlichen Vortrags wird durch Poesie, Ironie und Fiktion gebrochen.
„BUCURESTI“ ist Teil einer offenen Serie performativer Stadtportraits.
Es existiert als Performance-Lecture und als eigenständiges Video.





Slides der Präsentation
„Noch sind die Bienen jedoch nicht zurück. Aber sehr bald .... Bereits jetzt ist ihr zukünftiger Sitz, ein riesiger Bienenstock, in Form eines Denkmals im Stadtzentrum errichtet. Die zurückkehrenden Bienen werden die Pollen der wiederaufblühenden Blumendekorationen alter Hausfassaden mit den Pollen von Bäumen und importierten Blumen vermischen. Ihr neuer Honig – eine neue Enzyklopädie der Erinnerung – wird die Geschichte der Stadt Bukarest schreiben. Dieser neuen Honig wird von einer besonderen Süße sein, mit leicht bitterem Nachgeschmack. Die Stadt wird von ihrer Amnesie gesunden. Die Menschen, die diesen Honig zu sich nehmen, werden durch Fassaden und Geschichtslöcher hindurchsehen, und sie werden ihre Erinnerungen in eine zusammenhängende Form bringen können. Durch diese neuen Blicke der erinnernden Bukarester werden die Architekturen der Stadt lebendig werden: sie werden ihre Muskeln, Venen und Blutzellen zeigen, sie werden honigfarben. Diese neue, weiche Architektur wird anfangen zu atmen und endlich in der Lage sein, durch seine betonene Haut all die angestaute Angst, das Mistrauen und Schweigen ausatmen. Ein neuer Hauch von Geschichte wird durch die Strassen ziehen. Später dann werden die Architekturen einstürzen....
Und noch später wird man sagen, das war einmal in alten Zeiten, als es so war, wie es niemals war. Aber wäre es nicht gewesen, so könnte ich es heute nicht erzählen.“

(Auszug der Performance-Lecture)